[Ich habe ewig nichts mehr gebloggt. Und dieser Text wird sehr lang. Vielleicht auch ein wenig chaotisch und leicht unstrukturiert. Aber ich habe sehr viele Gedanken und es gibt so viele Aspekte, die ich teilweise nur anreißen kann. Vielleicht überarbeitete ich diesen Text bei Zeiten noch einmal oder lasse ihn als Einleitung und schreibe zusätzliche Texte. Es gibt so viel, das gesagt werden muss…]

EINE KLEINE VORGESCHICHTE:

Ich bin jetzt knapp 3 Jahre auf Testosteron. Das bedeutet, ich habe schon einiges an Erfahrungen hinter mir.  Und die waren nicht immer alle berauschend. Aber das darf man eigentlich gar nicht sagen. Wer als trans*-Mensch den Weg der körperlichen Veränderungen einschlägt, der muss schlagartig zufrieden und glücklich sein. Jede kleinste Äußerung von Traurigkeit o.Ä. wird von außen als Zweifel gewertet. “Du müsstest doch der glücklichste Mensch der Welt sein!” ,”Bereust du etwa alles?!”
Äh, moment… was?!!!

Ich finde es wird immer schwierig sobald es um den Umgang von anderen Menschen mit dem Thema geht.
Dass nicht immer alles so leicht ist, beginnt direkt am Anfang. Niemand, der es nicht in irgendeiner Weise selbst erfahren hat, weiß, wie schwer es ist, Pronomen und/oder Namen einzufordern, die nicht der Wahrnehmung und/oder der Gewohnheit des Gegenüber entsprechen. Und nicht nur, dass man ständig damit konfrontiert wird, wie schwer die Umstellung für die armen Mitmenschen ist, denkt  kaum jemand mal daran, wie schwer das auch für einen selbst ist oder sein kann.
Ich habe mich selbst z.B. immer noch so richtig an meinen Namen gewöhnt… manchmal sage ich ihn laut und denke “Krass, so heiße ich? Offiziell sogar… auf allen meinen Dokumenten.”, das ist manchmal ein seltsames Gefühl… dann sage ich den Namen, mit dem ich 26 Jahre lang gerufen wurde und spüre Vertrautheit und denke “Zum Glück heiße ich so nicht mehr.”, das alles ist aufwühlend und anstrengend. Aber was sind schon 3 Jahre im Vergleich zu 26? Gewohnheit macht sehr viel aus. Deswegen habe ich auch Verständnis dafür, dass das Umfeld auch seine Zeit braucht.
Der Unterschied ist aber: Für mich fühlt sich mein Name ungewohnt, aber richtig an, mein alter Name gewohnt, aber falsch. Für manche Mitmenschen scheint es aber leider andersherum zu sein.

Wenn meine Mutter männliche Pronomen für mich benutzt, merke ich nach wie vor, wie schwer es ihr fällt. Es klingt nicht ehrlich. Und auch nach 3 Jahren rutscht ihr immer mal wieder ein “sie” über die Lippen. Sie korrigiert es auch nicht mal mehr. Wenn das passiert, verspüre ich eine Wut in mir, die ich kaum beschreiben kann. Warum genau, darauf geh ich noch ein.

Ich bin am selbstkritischsten. Ich fand das erste Jahr auf Testosteron sehr belastend. Das zweite Jahr war besser. Das dritte ist echt ganz okay. Es wird also besser. Das ist etwas gutes.
Es hat sehr lange gedauert bis ich Passing hatte (ich mag diesen Begriff nicht, aber ich benutze ihn hier), also bis man mich auschließlich als männlich wahrgenommen hat.
Im zweiten Jahr wurde es viel besser, man fing an mich als männlich wahrzunehmen; ich hab nur keine Zigaretten mehr ohne Ausweis bekommen und wurde gefragt, ob ich meine Schulferien genieße. Das kann ja mal ganz witzig sein, aber mit 28 auch nicht wirklich wünschenswert.
Mittlerweile sind fast 3 Jahre vergangen. Das ist eine lange Zeit und es ist viel passiert. Und wenn ich mittlerweile in den Spiegel gucke, sehe ich die Person, die ich innerlich bin. Ich sehe vielleicht nicht wie knapp 30 aus, aber es ist okay. Ich mache mir auch schon länger gar keine Gedanken mehr darüber “ob ich Passing habe”. Ich habe angefangen, endlich einfach sein zu können, wer ich bin. Und das eben auch unter Menschen. Naja… nicht ganz, leider nicht unter allen Menschen.

Um noch einmal auf meine Mutter und die Pronomen zu sprechen zu kommen. Was genau macht mich so rasend? Und zwar, dass ich nicht mehr weiblich aussehe. Kein bisschen. Ich habe auch eine sehr tiefe Stimme. Wenn ich in den Spiegel gucke und mich ansehe, wenn ich mich sprechen höre, etc., assoziiere ich nichts weibliches mehr in meiner Erscheinung. Und dass sie es tatsächlich immer noch tut, macht mich unglaublich wütend. Denn sie wehrt sich ja ganz offensichtlich dagegen, mich als männlich sehen zu können. Da nützt auch keine äußerliche Wahrnehmung.

GET OVER IT!:

Es ist aber nicht nur meine Mutter. Ich war gestern auf einer kleinen Cocktailparty von meiner Ex-Freundin. Das war meine bisher letzte Beziehung und ist jetzt ungefähr 5 Jahre her. Zum Ende der Beziehung habe ich mich bei ihr erstmals als trans geoutet.
Auf der Party gestern waren noch 2 gute Freund_innen von mir und die Freundin meiner Ex-Freundin; alle anderen kannte ich noch nicht. Es waren sehr viele lesbische Frauen da (ich erwähne das, weil das noch eine Rolle spielt).

Natürlich kam dann irgendwann die Frage auf, woher ich denn die Gastgeberin kenne. Meine Antwort war “Aus der Stadt, in der wir beide studiert haben.” Diese Antwort wäre nicht nur die Wahrheit, sondern auch völlig zufriedenstellend gewesen. Meine Ex-Freundin, die nicht weit weg stand, hörte sowohl die Frage als auch meine Antwort, schaute zu uns uns lachte verlegen. So nach dem Motto: “Ja das stimmt, aber da steckt ja noch viel mehr hinter unserer Verbindung.” Aber die Tatsache, dass wir mal zusammen waren, brachte sie nicht dazu verlegen zu lachen, sondern die Tatsache, dass ich mich auf die Nachfrage hin eigentlich als ihr Ex-FREUND outen könnte.
Auf Grund dieser Reaktion wurde dann natürlich weiter nachgehakt, was genau mich und die Gastgeberin verbindet, aber da nicht explizit nach einer Beziehung o.Ä. gefragt wurde, habe ich mich dann elegant aus dem Gespräch gewunden. Ich wollte keine Verwirrung stiften. Eigentlich wäre das Thema für mich dann abgeschlossen gewesen, aber nicht für meine Ex-Freundin.
Kurz darauf kam diese zu mir und fragte, ob ich denn jetzt aufgeklärt hätte, wer ich bin. Und damit meinte sie natürlich nicht nur, dass wir mal zusammen waren, sondern auch, ob ich klargestellt habe, dass ich ja eigentlich “ihre Ex-Freundin” bin. Die ganze Sache ging dann soweit, dass sie sich noch einmal mit der Person unterhalten hat und dann aufgeklärte, dass wir mal zusammen waren. Die Person sagte dazu: “Ach, kann ja mal passieren mit ‘nem Typen!”. Na dann ist ja jetzt alles gut, dachte ich. War es aber leider nicht. Meine Ex-Freundin kam dann noch einmal zu mir mit der Aufforderung, dass sie jetzt klargestellt hat, dass wir mal zusammen waren und der Rest jetzt meine Aufgabe ist. Was für ein Rest? Und wieso meine Aufgabe?
Sie wollte also, dass ich mich als trans* oute. Und damit klarstellen würde, dass ich ja dann eigentlich “ihre Ex-Freundin” bin.

Ich habe ihr gesagt, dass ich mich auf keinen Fall outen werde, ich kenne die Person(en) kaum und es ist absolut nicht relevant. Daraufhin fragte sie nach: “Aber darf ich das dann bei Zeiten mal aufklären?!”… Ich war gestern in der Situation sehr überfordert und sehr überrascht. Heute bin ich wütend und unglaublich enttäuscht. Wenn es für sie relevant ist, sagte ich, soll sie das machen. Ich sehe keine Relevanz, aber wenn sie Angst hat unter ihren lesbischen Freunden als “temporäre Hete” oder “nicht 100% lesbisch” zu gelten soll sie es ihren Freundinnen sagen.
Das fatale an ihrer Sichtweise ist, dass sie daran festhalten will, dass ich “mal eine Frau war”. Das ist aber falsch. Ich war keine “Frau”, die jetzt ein “Mann” ist. Ich war schon immer ich, auch wenn ich das alles damals in der Beziehung noch nicht wirklich benennen konnte. Und ja, ich bin ein Transmann und kein Cismann. Aber, wenn sie mich als Transmann outet… achso, ja dann können das natürlich alle verstehen, dann war sie ja auf keinen Fall mit einem Mann zusammen. Puh, dann ist sie ja doch lesbisch. Mein Gott. GET OVER IT!

Ich finde es schlimm, dass sie mich die ganze Zeit in ein Outing drängen wollte, nur damit sie keine “heterosexuelle Ex-Beziehung” am Hals hat. Und meine Verweigerung Menschen, die ich nicht kenne intime Dinge über mich unter die Nase zu reiben, wurde von ihr so dargestellt, als will ich etwas über mich verheimlichen, als stehe ich nicht zu dem, was ich bin oder zu meiner Vergangenheit. Dabei frage ich mich, wer hat denn hier das Problem zu dem zu stehen, mit mir zusammen gewesen zu sein?!  GET OVER IT, EY!!!

Es kam leider noch schlimmer. Anstatt es endlich mal gut sein zu lassen, sagte sie dann noch: “Aber für dich ist das ja gut! Sie hat ja keine Zweifel daran gehabt, dass du ein Mann bist.” Aha. Danke. Wow, sollte das ein Kompliment sein? Denn das heißt ja, dass sie darüber verwundert ist, dass andere nichts weibliches mehr an mir wahrnehmen. Genau wie meine Mutter. Ich bin für immer die Tochter und für immer die Ex-Freundin und da wird so verzweifelt dran festgehalten, das es mittlerweile echt schon eher lächerlich als traurig ist.

Natürlich war das damals in ihren Augen eine lesbische Beziehung und auch in gewisser Weise in meinen, bevor ich wirklich benennen konnte, was ich fühle und was mit mir los ist. Zudem hat sie selbst den Prozess miterlebt und reagierte damals noch mit folgendem Satz auf mein Outing: “Das macht für mich völlig Sinn und erklärt auch sehr viel an unserer Beziehungsdynamik.” 5 Jahre später soll ich mich aber bei ihren lesbischen Freundinnen als “ehemalige Frau” outen, damit sie ihr lesbisches Dasein wahren kann. Btw… ich bin übrigens auf Grund einer vorherigen Beziehung in der gleichen Situation und habe einen Ex-Freund. So what.
Ich finde übrigens auch nichts verwerfliches daran auf Grund solcher Situationen, in denen man von außen immer wieder in irgendwelche Kategorien gepackt wird, einfach auch mal Beziehungen, die Jahre zurückliegen und keine Relevanz für die Gegenwart haben, Vergangenheit sein zu lassen und als nicht erwähnenswert einzustufen. Muss man das denn ständig breit treten mit wem man mal zusammen war und mit wem nicht?
Ich schreibe hier in dem Kontext dieses Postings zwar immer von Ex-Partner_innen, aber ich bin mit all meinen Ex-Partner_innen befreundet und sehe sie alle als Freund_innen an und nicht als meine Ex-Partner_innen, auch wenn sie das natürlich sind.
Der Witz an diesem ganzen Theater gestern ist, dass die Frau, die gestern unbedingt wissen wollte, was mich und die Gastgeberin verbindet, erstmal total gut reagiert hat… “Kann ja mal passieren mit ‘nem Typen.”, klingt für mich nicht so als hätte meine Ex-Freundin ihren lesbischen Status verloren. Ob ich mittlerweile schon geoutet wurde, weiß ich nicht.

Ich habe eine so aufwühlende Zeit hinter mir, ich bin endlich an einem Punkt angekommen, an dem ich mich ganz gut fühle, an dem ich mir nicht mehr so viele zermürbende Gedanken darüber machen muss, wie ich auf andere wirke, an dem ich anfange mich wirklich zu finden. Und dann werde ich auch noch nach 3 Jahren von außen mit Stagnation konfrontiert. Warum bleibt es so schwer? Und die eigentliche Frage ist, warum bleibt es so schwer für andere?

Oder: Ein individueller Beitrag zu FLT*-Schutzräumen
[Das sind meine persönlichen Erfahrungen, ich bin weder ein Repräsentant für alle Trans*-Menschen und mir auch darüber bewusst, dass jeder FLTI*-Raum individuell gestaltet wird und meine Kritik somit nicht jedem dieser Räume gilt, trotzdem muss ich einige Dinge dringend ansprechen.]

Ich finde Schutzräume an sich gut und wichtig.
Aber warum sollte ich als Trans-Mann an dieser Veranstaltung teilnehmen? Geladen sind meist “Frauen, Lesben, Trans*” oder “Frauen, Lesben, Trans* und Inter*” oder “Frauen*“, die alle mitmeinen sollen. Aha. Mitmeinen? Das kommt mir irgendwie so bekannt vor… naja, egal. Darum geht es jetzt nicht…

Warum will ich nicht zu solchen Veranstalungen gehen?

Alle sind eingeladen, nur nicht die Cis-Männer. Die einzigen Menschen, die mich persönlich wegen meiner Transsexualität angegriffen und diskriminiert haben, waren lesbisch identifizierte Frauen*.
Warum sollte das also ein Schutzraum für mich sein?

Es ist ja nicht so, dass ich dieser Art von Räumen noch nie eine Chance gegeben habe.
Als ich reinkam, richteten sich auf der Stelle alle Blicke auf mich, man stand sofort auf und wollte mich wieder rausschmeißen. Warum? Weil auf meiner Stirn nicht geschrieben steht: “TRANS!”. Man blieb dann aber auf halbem Wege stehen, weil eine der Organisatorinnen (und gleichzeitig eine Freundin) auf mich zukam und mich umarmte. Wenn ich vom Klo wieder kam, sprangen alle wieder auf, blieben aber auf halbem Wege stehen, weil sie mich wiedererkannten. Warum haben sie mich diesmal nicht rausgeschmissen? Weil nun zumindest in ihren Köpfen auf meiner Stirn geschrieben stand: “TRANS!” Also durfte der, der aussieht wie ein Typ bleiben. Den Rest des Abends verbrachte ich mit einem weiteren Trans-Mann, weitab der restlichen Gesellschaft, wir wurden geduldet, aber trotzdem ausgeschlossen und oft genug mit Blicken gestraft. Warum? Keine Ahnung. Mit uns hat ja niemand gesprochen.

Ich frage mich immer, wie meine Ankunft an diesem Abend wohl gelaufen wäre, hätte ich niemanden dort gekannt.
Es gibt nur zwei Möglichkeiten. Entweder ich wäre tatsächlich nicht reingelassen worden oder ich hätte mich outen müssen, noch vor der Einganstür, am Besten noch mit tatsächlichen Cis-Männern in der Schlange hinter mir, damit ich vielleicht dann auch endlich mal von Cis-Männern blöd angemacht werde, weil ich rein darf und sie nicht. Oder sie wären aufmerksam gewesen, dann hätten sie einfach auch gesagt, dass sie trans sind. Ich persönlich hätte auch gar nicht gewusst, ob sie cis oder trans sind, ich weiß das eigentlich nie. Ich weiß das nur, wenn sich jemand outet oder vielleicht unter bestimmten Umständen, z.B. wenn der Trans-Mensch noch ganz am Anfang einer möglichen Transition steht. Das ist dann aber auch nur ein temporärer Zustand.
Fakt ist und bleibt, man kann Cis- und Trans-Menschen nicht einfach so optisch unterscheiden. Diese Äußerung ist und bleibt transphob, egal von wem.
Das traurige ist, dass viele Selbsterklärungen/Einladungen, etc. von und zu FLTI*-Veranstaltungen bezüglich der Integration von Trans-Menschen darauf aufbauen. Auf das nicht vorhandene Passing(*) von Transmenschen. Wer aussieht wie ein “Mann” darf nicht rein, denn dann wird er für cis gehalten. Das habe ich selbst erlebt. Und die Konsequenz daraus ist fatal, denn das heißt Cis-Männer sehen aus wie Männer und Trans-Männer sehen aus wie? Ja wie denn eigentlich? Frauen? Nichts-Halbes-Nichts-Ganzes?

FLTI*-Veranstaltungen sind für mich der allergrößte innerliche Kampf bezüglich meiner Transsexualität. Ich kann nicht einfach ich selbst sein, weil ich auf das trans-sein reduziert werde. Ich sehe aus wie ein Typ, deswegen wurde ich aus der vorhandenen Gesellschaft dort ausgeschlossen, durfte aber trotzdem rein, nur weil ich trans bin. Die Begründung dafür weiß ich nichtmal. Mal ganz abgesehen davon, dass ich nicht nur wie “ein Typ” aussehe, sondern einer bin. ‘N Trans-Typ, aber ein Typ.
Vielleicht wäre es mir lieber gewesen, man hätte mich gar nicht erst reingelassen.

Ein Schutzraum für alle anderen wohl, aber für mich nicht.

P.S. Ich bin an jeglichem Austausch bezüglich FLTI*-Räumen interessiert.
Ansonsten noch der dringende Rat, holt euch Trans*menschen mit ins Orgateam!

(*) Passing ist für Trans-Menschen als das Geschlecht auch optisch von anderen wahrgenommen/gelesen zu werden, welches sich mit ihrer Geschlechtsidentität deckt.

ÜBER DAS KONSTRUKT “SEX” UND GRENZÜBERSCHREITUNGEN

Trigger-Warnung: Es geht um Sex und es geht auch indirekt um körperliche Übergriffe und Grenzüberschreitungen.

Vielleicht noch eine zusätzliche Trigger-Warnung: Das hier wird ein Seelen-Striptease. Ich habe lange überlegt, ob ich meine Gedanken öffentlich machen soll, auf die Gegenfrage: “Warum nicht?” hatte ich keine Antwort.

Das Bedürfnis darüber zu schreiben ist ein aktueller Anlass.
Ich hatte heute Nacht einen unglaublich tollen Sextraum. Sex in meinen Träumen ist immer gut und immer fernab der Realität. Das sage ich, weil ich nicht glaube, dass so ein Sex für mich tatsächlich möglich ist. Nicht nur, weil ich als Trans*mann eh schon Probleme mit meinem Körperbewusstsein habe (ich sage nicht, dass das etwas transspezifisches ist, aber bei mir ist es so).

Im echten Leben war Sex eigentlich immer nur ein großer Akt des Versagens. Denn Sex ist nicht dazu gemacht, Kompromisse einzugehen, aber genau das scheint zwischenmenschlicher Sex irgendwie zu verlangen.
Wenn ich von Sex träume, ist es für mich wirklich etwas Schönes, etwas, was ich genießen kann. Egal wie es im Traum ist, oft fühle ich mich körperlich gut, meine Probleme lösen sich dadurch in Luft auf und ich erlebe etwas, was ich im realen Leben so tatsächlich niemals erleben kann. Es ist aber nicht immer so, es gibt auch Träume, in denen ist mein Körper so wie er ist und ich spüre im Traum auch Unbehagen, habe Angst, fühle mich verunsichert, etc… aber das wird irgendwie aufgehoben, durch die zwischenmenschliche Dynamik, die herrscht. Der Traum letzte Nacht war genau deswegen anders als jemals zuvor.

Ich habe das im realen Leben noch nie erlebt. Ich möchte niemandem absprechen guten, einvernehmlichen Sex haben zu können, ohne Kompromisse eingehen zu müssen. Ich halte das für mich allerdings schlichtweg für utopisch. Alle meine Erfahrungen haben mir auch nichts anderes gezeigt. Es ist immer schlimmer geworden. Um so mehr sexuelle Erfahrungen ich (hauptsächlich in Partner_innenschaften) gesammelt habe, desto schlimmer wurde es und desto stärker wurde mein Bedürfnis einfach keinen Sex mehr zu haben.

Mein Körper steht auf Sex. Schon immer und nicht zu knapp. Und seit der Hormontherapie in einer noch viel unglaublicheren Dimension als ich mir jemals hätte vorstellen können. Mein Kopf hasst Sex (also den zwischenmenschlichen). Es ist wie eine negative Korrelation. Um so mehr mein Körper nach Sex lechzt, desto mehr hasse ich es, desto mehr beschließe ich, nie wieder irgendetwas zwischenmenschliches einzugehen und desto glücklicher bin ich über jeden Tag, der sexlos vorüberzieht. Es ist eine unerträgliche Situation, denn sie macht mich traurig. Aber allein der Gedanke daran meinem körperlichen Bedürfnis nachzugeben und eventuell mit jemandem zu schlafen bereitet mir Magenschmerzen und ein Gefühlswirrwarr aus Angst, Abneigung, Dysphorie und Panik.

Allein der Gedanke an Sex ruft bei mir automatisch die Auseinandersetzung mit schlechten Erfahrungen hervor. Nur im Traum nicht. Ich werde erinnert an all die grenzwertigen Erfahrungen, in denen ICH Kompromisse eingegangen bin. Was hab ich bloß alles mit mir machen lassen?! Im Vordergrund stand immer: “Das ist partner_innenschaftlicher Sex, du muss dich darauf einlassen, damit es klappt.” Was soll denn klappen? Ach ja, der Orgasmus. Wenn Mensch kommt, dann hat der Sex geklappt. Ich saß tatsächlich mal neben einer Person, die sagte: “Es ist nur Sex, wenn man auch einen Orgasmus hatte.” – “Oh gut zu wissen, dann hatte ich noch nie Sex.“. Es wurde gelacht. Aber das Problem wird offensichtlicher. Worum genau geht es denn tatsächlich? Ich finde, dass dieser partner_innenschaftliche Sex ein seltsames Konstrukt ist. Und Sex ist definitiv etwas konstruiertes, genau wie die Partner_innenschaft an sich oder die Suche nach der/dem Richtige_n und so ein Quark.
Die Vorstellung von Sex wird idealisiert. Der Ablauf wird quasi mechanisiert. Mein nicht-kommen wurde von einer Ex-Partnerin mal kommentiert mit: “Dann bin ich wohl nicht die Richtige für dich.” Dass sie damit Recht hatte, hatte mit meinem fehlenden Orgasmus herzlich wenig zu tun. Fassen wir das mal zusammen, wenn man die oder den “Richtigen” gefunden hat, dann kommt man auch. Aha. Es gibt ja auch Menschen, die da überhaupt gar kein Problem haben, das ist dann wohl der Freifahrtschein für Polyamorie.

Mir wurde bis auf wenige Ausnahmen immer nur klar gemacht, dass ICH mich irgendwie ändern muss, was den Sex betrifft. Dass meine Bedürfnisse nicht kompatibel sind, weil sie komische Regeln brechen und dass ich kommen können muss. Warum muss ICH denn kommen? Ach ja, weil die Partnerin sonst das Gefühl hat zu versagen. In meiner letzten Beziehung wurde das übrigens ganz eindeutig geäußert und klar gestellt: Nur ICH allein bin Schuld daran, dass ich nicht komme, sie selbst hatte noch nie Probleme jemanden zu befriedigen. Ich konnte das irgendwann nicht mehr hören. Ich übergebe mich jetzt fast noch, wenn ich daran denke. Mir war so etwas nie wichtig. Wenn ich wirklich das Bedürfnis der Befriedigung hatte, dann hab ich mir selbst geholfen. Mir persönlich ging es in zwischenmenschlichem Sex immer um körperliche Nähe, sonst um gar nichts. Das war mir damals irgendwie wichtig. Meine Erfahrungen haben mir aber etwas anderes gelehrt. Es geht bei Sex um Macht, Kontrolle, Besitz. Der Erfolg äußert sich dann in diesem Mysterium “Orgasmus, den dir jemand anderes beschert, obwohl er diese intrinsische Verbindung zu deinem Körper gar nicht hat”. Sex als Wettbewerb. Ein Orgasmus erzwingt plötzlich Leistungsdruck. Und das alles bei einer Sache, die ich immer mit Respekt, Vertrauen und Rücksicht verbunden habe. Ich will so etwas nie wieder erleben.

All meine fast ausschließlich negativen Erfahrungen mit Sex oder dem generellen Überschreiten von körperlichen Grenzen haben mir gezeigt, was für Strukturen hinter diesen ganzen Konstrukten stecken. Hinter “auf Parties rummachen”, “sich Toleranzgrenzen wegsaufen” “partner_innenschaftliche Pflichten erfüllen”, etc. Mir ist bewusst geworden, wie falsch ich mich selbst auch anderen gegenüber verhalten habe. Wie oft ich Fehlverhalten von anderen ertragen habe. Vor allem aber, was es wirklich heißt Kompromisse einzugehen und der/dem anderen etwas “zu Liebe” zu machen. Wie schrecklich selbstverachtend solche Gedanken sind wie: “Das ist doch meine Freundin, das ist schon okay, wenn ich das zulasse.” Was es überhaupt bedeutet “Nein”, sagen zu können und was passiert, wenn sogar ein “Ja” eigentlich “NEIN!” heißt, aber eine so große Angst mitspielt, die man zunächst gar nicht fassen kann. Man versucht Grenzüberschreitungen für sich selbst zu legitimieren. Außerdem musste ich auch einmal erleben, wie ein explizites “NEIN!“, einfach mal in Frage gestellt wurde und das Verneinte fast erzwungen wurde. Solche übergriffigen Erfahrungen haben mir gezeigt, wie egoistisch Sexuelles sein kann und meist auch ist.

Kompromisse nehmen dem Sex meiner Meinung nach das Einvernehmliche. Und das ist das Fatale daran. Allein schon wenn es um ein “wie oft?” geht. Ich kenne viele Pärchen, die von Kompromissen sprechen. Das macht mich traurig und es macht mir Angst, dass noch viele Menschen mehr, wie ich, erst viel zu spät erkennen, dass körperliche Grenzen in vermeintlich einvernehmlich partnerinnen_schaftlichem Sex überschritten wurden/werden.

Ich sehe da für mich keine Lösung. Ich habe zu sehr Angst in alte Muster zu fallen und wieder Dinge zuzulassen, die ich eigentlich nicht ertragen kann. Gerade für mich ist Sex von vorne rein schon kompliziert genug. Und das ist mir der Aufwand gar nicht wert.
Das heißt aber eigentlich nicht, dass ich der “innigeren” Zwischenmenschlichkeit komplett entfliehen will.
Das große Problem liegt überhaupt aber im Umgang mit Sex an sich. Sex an sich wird in zwischenmenschliche Beziehungen manifestiert. Alle denken und finden, Sex gehört dazu, es ist ein Muss. Eine Pflicht. Kein Sex = Beziehung läuft scheiße. Oder auch “Kein Sex? Dann ist das ja nur eine Freund_innenschaft.” Das halte ich nicht nur für Schwachsinn, sondern auch für gefährlich. Sex zur partner_innenschaftlichen Pflicht zu erklären, schafft die Grundlage für die Überschreitung körperlicher Grenzen und führt zusätzlich dazu, dass Menschen, schon ohne den partner_innenschaftlichen Vorwurf, ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie nicht mit ihrer/ihrem Partner_in schlafen.

Ich habe solche Gedanken aber leider auch. Ich denke oft, ich finde niemals wieder eine Partnerin bzw. kann niemals wieder eine Beziehung führen, weil ich keinen Sex haben kann (Körper) und keinen Sex haben will (Kopf). Das ist im Übrigen auch eine der häufigsten Fragen und geäußerten “Ängste” gewesen mit denen ich durch mein Outing konfrontiert wurde: “Wie willst du denn dann jemanden finden?” “Wie hast du denn Sex?” “Sex ist doch so wichtig und so toll!“…bla bla…kotz…etc.

Ich bin für mehr Bewusstsein für facettenreiche Beziehungsformen, die sich nicht den gesellschaftlichen Normvorstellungen beugen! Für mehr Mut “Nein” sagen zu können. Für mehr Awareness unter Freund_innen und vor allem auch in Beziehungen selbst, wenn es um Grenzüberschreitungen geht.  Und für weniger in Frage stellen, warum die_der Partner_in gerade keinen Sex will oder bestimmte Dinge nicht will oder auch gar keinen Sex will!

tsc
Die Vorgeschichte:
Als ich vor einigen Jahren Tegan and Saras Musik entdeckte, wusste ich weder, dass die Band nur aus zwei Frauen besteht, ich wusste auch nicht, dass die beiden Schwestern, geschweige denn Zwillinge sind, nicht wie sie aussehen und erst recht nicht, dass beide sich offen als lesbisch identifizieren. Ich finde auch nicht, dass dies relevante Aspekte von guter Musik sind, allerdings stellte sich auch für mich durch diese zusätzlichen Informationen zunächst raus: Tegan and Sara sind ziemlich cool. Auf Konzerten (ich sah sie 3 Mal live) waren sie super sympathisch und echt witzig. Kurz gesagt habe ich mit ihrer Musik nur positives verbunden.

Alles NEU:
Es ist mir als Musiker ebenfalls bekannt, dass der eigene musikalische Stil nicht immer gleich bleiben kann. Man probiert sich aus, erweitert seinen musikalischen Horizont und oft passiert es auch, dass Musik gerade bei berühmteren Musiker_innen sich anpasst. An ein breiteres Publikum versteht sich. Ich verurteile das nicht. Bei Zeiten konsumiere ich sogar gerne leicht zugängliche (Pop)Musik. Aber das, was mich bei der musikalischen “Weiterentwicklung“ von Tegan and Sara erwartete, traf ganz und gar nicht meinen Geschmack. Ich steh nämlich leider überhaupt nicht auf Schlager. Eintönig und kaum experimentell kamen mir die ersten Töne vor. “Also jetzt wollen sie aber wirklich kommerzieller werden“, war mein erster Gedanke. Aber dagegen habe ich ja auch nicht einmal etwas einzuwenden. Die Langeweile und die Lieblosigkeit sind das, was mich an den neuen Tegan and Sara Songs stört. Gerade weil ich beide immer als sehr experimentelle Songschreiberinnen wahrgenommen habe. Es ist schade. Nunja, die neue Musik sagt mir also nicht zu. Das macht mich ein wenig traurig. Allerdings ist das kein Grund wütend zu sein, aber dafür sollten die beiden dann leider noch sorgen. Und nicht zu knapp!

I’m the type who will get oh so critical!:
Ja, und zwar wegen diesem dermaßen unglaublich grausamen Video zur neuen Single “Closer“. Ich dachte nach erstmaligem Ansehen nur noch “all I want to is get much more farther!“.

Was bitte ist das? Und vor allem, WAS SOLL DAS?! Das Video fängt ja noch harmlos an. Tegan und Sara. Neuer Look und so. Neues Styling. Ja, Tegan and Sara sehen gut aus. Das will ich gar nicht leugnen. Und dann kommt schon der erste Schock. Und wenn ich Schock sage, dann mein ich SCHOCK!!!

Da ist also eine Party am Start mit ganz vielen Menschen, Männer und Frauen. Tegan und Sara feiern aber irgendwie nicht so direkt mit. Die Menschen sehen alle total hip, bunt und cool aus. Stört mich schon. Dieses “Pseudo-queere” und in Wirklichkeit sind eh alle nur oberflächlich und wollen eine Familie gründen mit Doppelhaushälfte und Combi. Die heißen Boys schminken sich gegenseitig und alle sind so fröhlich und herzlich und innig miteinander. Ach… und da knutschen jetzt Heten rum, ja super! Nichts gegen heterosexuelle Menschen, ich identifiziere mich selbst auch als Mann, der auf Frauen steht (darum soll es hier jetzt nicht gehen), aber SERIOUSLY?! Warum knutschen da Mann und Frau in einem Tegan and Sara Video? Was soll denn diese Heteropropaganda gekoppelt mit diesem langweiligen Schlagersong? Selbst wenn jetzt noch knutschende Homo-Pärchen auftauchen, die Message ist eindeutig: Mann + Frau = Liebe, Sex, ALLES. Platz 1: Hetero!
Und dann, ACH DU SCHRECK!, die Flasche beim Flaschendrehen verlangt, dass sich zwei Frauen küssen (nebenbei bemerkt, der vorherige Hetenkuss war ungezwungen!). Hihihi, da wird dann erstmal verlegen gelacht. Ist ja auch voll witzig und so, zwei Frauen ACH NEEE! Doch nicht! Denn die beiden Frauen geben sich beim Flaschendrehen tatsächlich nur einen Kuss auf die Wange (siehe Minute: 1:14)! REALLY?! Achja, stimmt ja, das ist ja ganz normal, dass Frauen inniger miteinander umgehen und so, aber gleich so ganz knutschen, NEE! Puh! Also bisher dann doch alle noch heterosexuell da auf der Party. Ich dachte schon. Aber äh Moment! Identifizieren sich Tegan und Sara nicht beide als homosexuell?! Das könnte man bei diesem Video eigentlich bisher glatt vergessen.
Erste wutentbrannte Gedanken tun sich auf und ich weiß, wenn das Video so bleibt, muss ich dringend im CD-Regal aufräumen und den Müll rausbringen. Really!

Bis zu Minute 2:30 haben sich nun schon 3 Hetenpärchen geküsst. Yay! Das wird ja immer schlimmer. Oh und dann doch, der erste richtige Kuss zwischen zwei Frauen (siehe 2:33). WOW! Hilft diesem Video leider auch nicht mehr, vor allem nicht bei dem, was dann noch folgt. Noch ein bisschen Party und so, alle ganz toll drauf, Tegan und Sara springen auch fröhlich umher. Dann mal wieder Mann und Frau, die verstohlen nebeneinander sitzen. Man ahnt es schon. Ab Minute 3:13 geht dann das große Geknutsche los und damit auch der schlimme Höhepunkt in diesem grausamen Video: Die beiden verstohlenen Heten fangen natürlich an zu knutschen. Das ist der langsame Anfang dieser Sequenz, es folgt ein super fast forward Zusammenschnitt. In Bruchteilen von Sekunden sieht man mehrere knutschende Pärchen im selben Spot wie zuvor das Hetenpärchen, es geht so schnell, man kann nur erahnen „Oh waren das gerade zwei Männer?“ Ich habe mich langsam durch diese Sequenz geklickt und das ist das Ergebnis: Nach dem Hetenpärchen, das am Anfang laaange gezeigt wird, folgt für Bruchteile von Sekunden ein weiteres Hetenpärchen, dann zwei Männer, wieder ein… na, was wohl… Hetenpärchen, zwei Frauen, wieder Hetenpärchen, nochmal das selbe schwule Pärchen (WTF? Achja, gibt ja so wenige nicht-heterosexuelle Menschen) und zum Abschluss knutscht wieder ganz lange das Pärchen vom Anfang. Äh das Hetenpärchen. Ich bin auch schon ganz durcheinander, denn es sind doch eigentlich sowieso alle hetero. So wirkt diese Sequenz nämlich. Das lesbische Pärchen fällt überhaupt nicht auf, das habe ich voller Erstaunen nur beim Zeitschritt für Zeitschritt durchklicken entdeckt. Das schwule Pärchen in diesen Bruchteil-Videoschnitten erahnt man nur, weil es gleich 2 Mal gezeigt wird.
Fassen wir das mal zusammen. In der Abschlusssequenz werden 4 Hetenpärchen gezeigt, 1 schwules Pärchen und 1 lesbisches Pärchen (d.h. Heten kommen doppelt so oft vor wie die homosexuellen Pärchen zusammengezählt), die Heten dürfen nicht nur am häufigsten, sondern auch am längsten knutschen. Im gesamten Video küssen sich 7 Mal Frau und Mann, 2 mal Mann und Mann (es ist aber beide Male das selbe Pärchen) und 2 Mal Frau und Frau. Für di_en unaufmerksame_n und nicht sensibilisierte_n Zuseher_in küssen sich also gefühlte tausende von heterosexuellen Menschen, 1 Mal zwei Frauen und es gibt einen „Waren das gerade zwei Männer?“-Moment für einen Bruchteil von Sekunden.

Der bittere Nachgeschmack:
Das meinen Tegan and Sara doch nicht ernst, oder? Dieses Video ist die reinste Hetero-Propaganda! Ich neige fast dazu es sogar als homophob zu bezeichnen. Wären Tegan und Sara nicht „zufällig“ selbst lesbisch, hätten sich da kein einziges Mal überhaupt zwei Nicht-Heten geküsst. Davon bin ich überzeugt. Die nicht-hetero Küsse hätte man sich in diesem Video auch getrost sparen können. Die Message die hier rüberkommt ist eindeutig: Normal ist ja hetero. Mann und Frau und so. Davon gibt es auch die meisten. ABER es gibt auch Lesben und Schwule. Die gibt es aber kaum. Aber wir hier auf der Party, wir sind voll tolerant und die dürfen sich hier ruhig auch küssen, die sind nämlich auch fast so normal wie wir, also auch so bunt und fröhlich wie wir, aber nicht ganz so, deswegen wollen wir uns das weder häufig, noch lange anschauen und ihr alle müsst das auch nicht! Wer will das schon sehen?

Ich war selten so wütend und so enttäuscht von Musiker_innen, die ihre eigene Position so unterschätzen. Wieso wird die eigene sexuelle Orientierung hier so niedergemacht? Fast schon versteckt! Wofür denn? Und für wen? Für ein breiteres Publikum?

Manch eine_r würde jetzt vielleicht behaupten, weil Tegan und Sara sich selbst offen als lesbisch identifizieren, kann dieses Video doch gar nicht so gemeint sein. Falsch! Denn gerade WEIL sie nicht-hetero sind dürften sie nicht hinter so einem Video stehen. Die Absicht dieses Videos ist eindeutig. Ich bezweifel allerdings, dass das “Drehbuch” von den beiden selbst stammt (gibt es da Informationen zu? Interviews? Etc.? Es ist eine Recherche wert), allerdings haben sie diesem “Drehbuch” zugestimmt und vertreten es. Wirken mit bei Hetenpropaganda und der Darstellung von Homosexualität als etwas, das ja niemand sehen will, aber irgendwie halt da ist. “In anderen Videos von anderen Künstler_innen sind immer nur Heten zu sehen!”, mag dann vielleicht auch noch di_en ein_e oder andere behaupten wollen. Mal abgesehen von dieser generell komischen binären Darstellung der “sexuellen Orientierung” ist das Schlimmste an diesem Video, dass zwei sich als lesbisch identifizierende Frauen das Bild vertreten, dass Heterosexualität doch im direkten Vergleich mit Homosexualität völlig überlegen ist. Und ja natürlich wäre das noch viel bekloppter gewesen, wären wirklich ausschließlich Heten in diesem Video gezeigt worden.

Ich bin wütend und enttäuscht. Und ich denke ich hätte von Tegan and Sara tatsächlich mehr erwarten dürfen.

Und zu guter Letzt, als wäre das alles noch nicht genug, was sind das bitte für Lyrics?!

So viel Schrott auf einmal und das alles, obwohl Sara nun wirklich ganz niedlich in diesem Video tanzt! Schade drum.

Hier ist dieses Unding zu sehen:
Tegan and Sara – “Closer”